ND soll Maria 2.0 unterstützen – Der Antrag der Region Hildesheim

Der Inhalt dieses Beitrages entspricht der persönlichen Meinung des Autors.

Monika Maurer-Feil und Conny Hecke, die Leiterinnen der Region Hildesheim bündeln die Antragsidee in einem Satz: „Der ND unterstützt die Anliegen und Forderungen, die in den „Thesen Maria 2.0“ vom 21.2.2021 formuliert sind.“

Warum der ND Maria 2.0 unterstützen soll? Ganz einfach: Die Grundanliegen der Thesen sind alles andere als neu, viele NDer*innen vertreten sie schon seit Jahrzehnten, und im ND gibt es eine lange Tradition, Neues auszuprobieren und Reformen vorzubereiten, sich für eine „Inkulturation des Christentums ins Hier und Heute“ einzusetzen. Viele Tagungen, Hirschberg-Beiträge und Ratsbeschlüsse (u.a. Zustimmung zu den Osnabrücker Thesen von 2017) bezeugen dies.

Gegen 16:00 Uhr werden im ND-Rat am Samstagnachmittag die kirchenpolitischen Anträge aufgerufen. Der Rat tagt digital und mitgliedsöffentlich. Eine Online-Anmeldung ist erforderlich. Dann bekommt ihr seitens der Geschäftstelle den Zoomlink und die Ratsunterlagen.

Am 21. Februar beteiligten sich eine überwältigende Zahl von Menschen an der Thesen-Aktion Maria 2.0 und hängten an über 1000 Kirchentüren in Deutschland Plakate mit „Thesen Maria 2.0“ auf. Die Thesen (Anliegen – Vision – Forderungen) trafen offensichtlich bei vielen Menschen einen Nerv, aber es gab auch heftige Kritik (zu provokativ, spaltend). Bei diesem „Thesenanschlag“ wurde deutlich, dass die Initiative Maria 2.0 trotz Corona lebendig ist, dass viele Menschen, auch NDer*innen, diese Anliegen und Forderungen teilen.

Maria 2.0 ist eine Graswurzelbewegung, bei der das Prinzip gilt, „Wer macht, entscheidet“ – etwa bei Aktionen oder Interviews. Gemeinsame Basis ist die Botschaft Jesu; alle engagieren sich für grundlegende Reformen in der Kirche. Frauen in Münster, die entsetzt waren über den Umgang der Kirchenhierarchie mit Missbrauchs-Tätern, riefen im Mai 2019 zur ersten Aktionswoche von Maria 2.0 auf.

Weder Wortlaut der Thesen Maria 2.0 noch der Thesenanschlag sollen diskutiert werden, wohl aber dahinter stehende Anliegen und Forderungen. Schlagwortartig zusammengefasst geht es um

  1. Geschlechtergerechtigkeit und Wahrung der Menschenrechte
  2. Partizipation, Demokratie, kein Klerikalismus
  3. Missbrauchsfälle: Aufklärung, Verantwortung tragen, Opfer in den Blick nehmen, Ursachen bekämpfen
  4. Verantwortliche Sexualität heute
  5. Pflichtzölibat abschaffen
  6. Finanzen: Bescheidenheit, Verantwortung
  7. Botschaft Jesu – Kernanliegen: Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung

Konkret bedeutet der Antrag: Der Rat des ND unterstützt diese Thesen und regt die Diskussion an, was wir als Verband und was jede*r Einzelne tun können, um guten Gewissens Teil dieser Kirche bleiben zu können und einen Beitrag dazu zu leisten, dass diese Kirche sehr bald grundlegende Reformen umsetzt.

Vieles wird im ND schon getan: Kongresse, Pfingsttreffen und andere Veranstaltungen mit entsprechenden Themen, Arbeitskreise (z.B. Erneuerung der Kirche, Naturwissenschaft und Glaube), in letzter Zeit die online-Frauen-Konklaves, das Impuls-Padlet mit Nachhall, die Whatsapp-Gruppe „ND-Kirche unterwegs“ (zu Informationsaustausch, intensiver Vernetzung, auch über den ND hinaus), Artikel im Hirschberg. Für viele NDer*innen ist der ND eine Art Tankstelle, ein Bund, der ihnen Kraft und Rückhalt gibt für Engagement in Politik, Kirche und Gesellschaft.

Dies wollen wir fortsetzen und, je nach Kraft und Möglichkeiten, ausbauen. Die NDer*innen werden aufgerufen, die Anliegen und Forderungen der „Thesen Maria 2.0“ in ihren Gemeinden, aber möglichst auch mit Katholik*innen im Ausland zu diskutieren (sie wurden in viele Sprachen übersetzt) und sich für ihre Umsetzung einzusetzen.

Antragsteller*innen: Region Hildesheim

Thesen Maria 2.0

An alle Menschen, die guten Willens sind!

  1. #gerecht – gleiche Würde – gleiche Rechte
    In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern. Denn Menschenrechte und Grundgesetz garantieren allen Menschen gleiche Rechte – nur die katholische Kirche ignoriert das. Mannsein begründet heute Sonderrechte in der Kirche.
  2. #partizipativ – gemeinsame Verantwortung
    In unserer Kirche haben alle teil am Sendungsauftrag; Macht wird geteilt. Denn der Klerikalismus ist heute eines der Grundprobleme der katholischen Kirche und fördert den Machtmissbrauch mit all seinen menschenunwürdigen Facetten.
  3. #glaubwürdig – respektvoller Umgang und Transparenz
    In unserer Kirche werden Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Ursachen werden konsequent bekämpft. Denn viel zu lange schon ist die katholische Kirche ein Tatort sexueller Gewalt. Kirchliche Machthaber halten immer noch Informationen zu solchen Gewaltverbrechen unter Verschluss und stehlen sich aus der Verantwortung.
  4. #bunt – leben in gelingenden Beziehungen
    Unsere Kirche zeigt eine wertschätzende Haltung und Anerkennung gegenüber selbstbestimmter achtsamer Sexualität und Partnerschaft. Denn die offiziell gelehrte Sexualmoral ist lebensfremd und diskriminierend. Sie orientiert sich nicht am christlichen Menschenbild und wird von der Mehrheit der Gläubigen nicht mehr ernst genommen.
  5. #lebensnah – ohne Pflichtzölibat
    In unserer Kirche ist die zölibatäre Lebensform keine Voraussetzung für die Ausübung eines Weiheamtes. Denn die Zölibatsverpflichtung hindert Menschen daran, ihrer Berufung zu folgen. Wer diese Pflicht nicht einhalten kann, lebt oft hinter Scheinfassaden und wird in existentielle Krisen gestürzt.
  6. #verantwortungsvoll – nachhaltiges Wirtschaften
    Unsere Kirche wirtschaftet nach christlichen Prinzipien. Sie ist Verwalterin des ihr anvertrauten Vermögens; es gehört ihr nicht. Denn Prunk, dubiose Finanztransaktionen und persönliche Bereicherung kirchlicher Entscheidungsträger haben das Vertrauen in die Kirche tiefgreifend erschüttert und schwinden lassen.
  7. #relevant – für Menschen, Gesellschaft und Umwelt.
    Unser Auftrag ist die Botschaft Jesu Christi. Wir handeln danach und stellen uns dem gesellschaftlichen Diskurs. Denn die Kirchenleitung hat ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Sie schafft es nicht, sich überzeugend Gehör zu verschaffen und sich im Sinne des Evangeliums für eine gerechte Welt einzusetzen.

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