Kongress 2020

Das Thema

Im Aufbruch … Zum ND-Kongress nach Mainz

Für Aufbrüche bietet Mainz ein gutes Pflaster. Wir verknüpfen Kongress und Stadt, ähnlich wie in Dresden. Zwei Skizzen, um die Kulisse des Kongresses schlaglichtartig auszuleuchten.

„Frei leben oder sterben“, mit dieser Devise schlossen sich zwanzig Mainzer Bürger am 23. Oktober 1792 zur „Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit“ zusammen. Die Ideale der französischen Revolution und die Idee, auch eine deutsche Republik zu errichten, zündeten und führten für einen kurzen Moment zur Mainzer Republik und einer halbwegs nach demokratischen Grundsätzen gewählten verfassungsgebenden Versammlung.  Die Forderung Pariser Revolutionsfundamentalisten, vor den Wahlen einen Eid auf die Grundsätze der Revolution leisten zu müssen, ernüchterte die Mainzer erheblich.

Trotz Widersprüchlichkeiten der Mainzer Republik urteilt der Historiker Franz Dumont über diesen politischen Aufbruch: „Für Deutschland war sie einmalig, denn keine andere deutsche Stadt wurde so früh und intensiv von dem aus Westen kommenden Streben nach Bürgerrechten und Demokratie geprägt wie Mainz 1792/93“.  Auf dem Kongress gehen wir dieser Spur nach.

Das Zweite Vatikanische Konzil und die sich anschließende Würzburger Synode sind für Ältere unter uns markante Aufbrüche. Karl Kardinal Lehmann verknüpft diese Meilensteine kirchlicher Erneuerung wie kaum sonst einer mit Glauben und Leben im Mainzer Bistum. Rückblickend auf das Konzil meinte der Mainzer Bischof: „Wir sollten einmal deutlich sagen, dass wir uns die Kirche und ihr Weiter-leben ohne das Zweite Vatikanum gar nicht vorstellen können. Man bemängelt Fehlentwicklungen. Aber was es überhaupt bedeutet, dass dieses Konzil stattgefunden hat, ist vermutlich von niemand bis heute abzuschätzen.“

Wer erinnert sich nicht an den unsäglichen Streit um die katholische Schwangerenkonfliktberatung oder an das Hirtenschreiben zur Pastoral mit Geschiedenen und Wiederverheirateten Geschiedenen der oberrheinischen Bischöfe Oskar Saier, Walter Kasper und Karl Lehmann, das für erheblichen Aufruhr sorgte, aber dann doch das eine oder andere aufgebrochen hat.  Natürlich steckte der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz öfters zwischen Hammer und Amboss.  Jetzt braucht es einen neuen Anlauf für die überfälligen Veränderungen.

Der AufbruchsKongress in Mainz fragt nach zeitgemäßen Aufbrüchen in der Kirche und Gesellschaft. Wir haben Persönlichkeiten auf den Kongress eingeladen, die für Aufbruch und Bewegung stehen, die Transformationsprozesse antreiben, die mit uns mitreißen werden. Sehr konsequent, kritisch, aber auch mit Elan, Esprit und auf eine spielerische Weise wollen wir mit Euch aufbrechen.

Bei der Kongressvorbereitungen denken wir aber auch an diejenigen, die die kleinen Formate lieben, die musische Kultur, schöne Künste und Lebensart schätzen. „Weck, Worscht un Woi“, wie es auf Meenzerisch heißt, wird in der Wein- und Rheinstadt nicht zu kurz kommen und eröffnen nach dem Gottesdienst in St. Stephan das Kongressgeschehen.

Auf dem Weg von Köln nach Mainz

Während des Jubiläumskongresses in Köln haben wir als Programmkommission viele Gespräche über Eure Erwartungen geführt, unter anderem mit den Bundesgeschwistern aus Mainz und der umgrenzenden Region Ideen gesammelt, und aus den Antworten zeichnete sich immer deutlicher ab, dass „Aufbruch“ das favorisierte Thema und die Haltung für die Osterwoche 2020 in Mainz sein sollte.

„Im Aufbruch“ also. Weder Fragezeichen, noch Ausrufezeichen, sondern mit drei Pünktchen, die Raum für Bewegung und Offenheit geben. Unser roter inhaltlicher Faden, bei der nächsten Programmkommissionssitzung weiter entwickelt, wirft den neugierigen Blick in gesellschaftliche Entwicklungen, taucht in Medienwelten ein und spürt Veränderungen in Kirche und Verbandsleben nach, um dann ins Gespräch mit „Trägerinnen und Trägern der Transformation“ zu kommen, die sich je auf ihre Weise im Aufbruch befinden und Veränderungsprozesse voranbringen.

Jeder Kongresstag ist einer Perspektive gewidmet und soll unsere Horizonte weiten. Sehr bewusst haben wir die Formate, mal Plenum, kleiner Foren bis hin zu Arbeitskreisen und Workshops, gemischt. Den Überblick über das Zeittableau findet Ihr auf den folgenden Seiten.