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Stellungnahme der ND-Leitung zum aktuellen Sterbehilfe-Urteil

Liebe ND-Bundesgeschwister,

mit großem Bedauern habe ich das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe zur Kenntnis genommen. Die Entscheidung, den Paragrafen 217 des Strafgesetzbuchs, der die geschäftsmäßige Beihilfe zum Suizid seit 2015 verboten hatte, für Nichtig zu erklären, ist aus meiner Sicht zutiefst fragwürdig und entspricht auch nicht einem christlichen Verständnis von Menschenwürde. Die Entscheidung öffnet nun wieder Tür und Tor, die organisierte Beihilfe zur Selbsttötung als eine gewissermaßen gewöhnliche Dienstleistung anzubieten.

Es ist die traurige Wirklichkeit, dass es in unserer Gesellschaft Menschen gibt, sterbenskrank sind, unter großen Schmerzen leiden oder auch aus psychischen Gründen lebensmüde sind. Mit dem ursprünglichen Verbot der Sterbehilfe zeigte sich einmal mehr, wie wichtig und wertvoll die Palliativmedizin und auch die Hospizarbeit ist – zum Schutz jeden einzelnen Lebens und für ein Sterben in Würde. Ich bin weiter fest davon überzeugt, dass es der richtige Weg ist, diese Angebote weiter auszubauen und zu fördern.

Die unkomplizierte Möglichkeit, Sterbehilfe gewissermaßen auf Bestellung zu bekommen, wird mittelfristig die Hemmschwelle in der Gesellschaft und damit auch den Druck auf sterbenskranke und alte Menschen erhöhen. Kranke und pflegebedürftige Personen werden sich überlegen, inwieweit sie ihren Angehörigen zur Last fallen und womöglich schneller die Reißleine ziehen. Es trifft an dieser Stelle die Schutzbedürftigen, Schwachen und Einsamen in unserer Gesellschaft.

Man mag nach dem Urteil der Verfassungsrichter schlussfolgern, dass der Staat mit Verweis auf das uneingeschränkte Selbstbestimmungsrecht jedes Menschen nichts im Grenzbereich zwischen Leben und Tod zu suchen hat. Weit gefehlt: Nun ist der Gesetzgeber umso dringlicher gefordert sich an eben dieser Stelle zu engagieren. Es müssen zügig klare Regeln formuliert und Wege gefunden werden, die für ein Weiter-Leben werben, etwa durch die Einführung von Beratungs- und Wartepflichten für Suizidwillige. Neben einer engmaschigen Kontrolle etwaiger Sterbehilfevereine ist auch der weitere Ausbau und eine Aufwertung der Pflegeangebote für Schwerstkranke und Sterbende unabdingbar

Mit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts sind wir als Christen besonders gefordert. Jedes Leben ist von Gott geschenkt und auch bei aller Selbstbestimmung ist und bleibt es für uns Menschen unverfügbar. Gerade in der pflegerischen Fürsorge und dem Beistand im Tod zeigt sich bis zum Ende die Zuwendung und Liebe Gottes. Dafür sollten wir einstehen und uns engagieren.

Für die ND-Bundesleitung

Dr. Claudia Lücking-Michel

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