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Nun aber mal langsam! Mut zur Entschleunigung.

Impulse für eine Erneuerung aus der Stille. Ein Bericht.   Bericht von der Tagung des Arbeitskreises „Erneuerung der Kirche“ Kloster Huysburg bei Halberstadt 10.-12. Oktober 2014   Hat Zeit etwas mit Geist zu tun? Was passiert, wenn Zeit still steht? Gibt es ein beredtes Schweigen? Was ist besser für die Kirche: Aktionismus oder Lethargie?   Wir trafen uns in der Mitte Deutschlands im Benediktinerkloster Huysburg bei Halberstadt 25 Jahre nach dem Fall der Mauer und erhofften uns Impulse zur Erneuerung der Kirche, und zwar im Sinne einer deutlichen Entschleunigung. Astrid Meinhold-Kmiecik hatte zum Einstieg als geistige Nahrung zahlreiche sorgfältig ausgesuchte Zeit-Zitate vorbereitet, bevor wir uns mit Klosterbrot und Wein stärkten.
Das auf 639 Jahre angelegte John-Cage-Orgel-Kunst-Projekt im ehemaligen Burchardikloster in Halberstadt rückt die Zeit in eine ganz neue Dimension. Der Vorsitzende des Kuratoriums der John-Cage-Stiftung, Prof. Dr. Rainer O. Neugebauer, nach eigenen Worten skeptischer Agnostiker, gab uns eine exklusive Führung und schärfte mit entwaffnender Offenheit und Sympathie unseren Blick für den ZeitGeist. Bruder Jakobus Wilhelm OSB, Subprior und promovierter Kunsthistoriker, machte uns mit der auf der Straße der Romanik liegenden Klosteranlage und mit der benediktinischen Gastfreundschaft und Spiritualität vertraut. Ordinariatsrätin Dr. Annette Schleinzer, Theologische Referentin im Bistum Magdeburg, gab kompetente Antworten auf die Frage: „Wie geht Kirche heute?“ Wo und wie gelingt die Erneuerung der Kirche konkret in der Diaspora, in der Ökumene? Wie leben die Christen in Sachsen-Anhalt ihren Glauben angesichts der Herausforderungen unserer Zeit? Wir waren beeindruckt von ihrem bescheidenen und zugleich selbstbewussten Ansatz. Das Bistum startet momentan mit dem VOlK-Projekt („Vor Ort lebt Kirche“) einen Versuch, mit Teams aus fünf Personen ein Modell der ehrenamtlichen Leitung von Pfarrgemeinden zu etablieren. Einige Gebetszeiten des Mönchskonventes und die gemeinsam mit der Diasporagemeinde gefeierte Sonntagsmesse sowie ein Austausch mit Reflexion und Ausblick rundeten die Tagung ab. Die 19 Teilnehmerinnen und Teilnehmer traten überwiegend zufrieden, auf jeden Fall aber entschleunigt ihre Heimreise an, einer davon sogar mit dem Fahrrad.
 
Bbr. Sebastian von Melle, Oktober 2014

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