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Kardinal Marx und die Folgen

Copyright: Erzbischöfliches Ordinariat München (EOM) / Lennart Preiss

Dass ein deutscher Kardinal und ehemaliger Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz dem Papst seinen Rücktritt anbietet, macht nochmals das Ausmaß der Krise deutlich, in der sich unsere katholische Kirche in Deutschland befindet. Kardinal Reinhard Marx gilt in Kirchenkreisen als Reformer. Er steht für den synodalen Weg, für die bedingungslose Aufklärung des sexuellen Missbrauchs und Versöhnung. Ausgerechnet er will jetzt Funktionen und Verantwortung in seinem Erzbistum zurückgeben.

Marx wird in seinem Schreiben an den Papst sehr deutlich, wenn er für „die Katastrophe des sexuellen Missbrauchs durch Amtsträger der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten" Mitverantwortung übernimmt. Es habe massive Pflichtverletzungen durch Amtsträger, „viel persönliches Versagen und administrative Fehler“ gegeben. Und er geht noch weiter: Es habe sich gezeigt, „dass manche in der Kirche gerade dieses Element der Mitverantwortung und damit auch Mitschuld der Institution nicht wahrhaben wollen.“ Kircheninternes Versagen und Schuld sieht Marx teilweise als Ursachen für die Krise der katholischen Kirche.  Für ihn sei die Kirche an einem „toten Punkt“ angekommen. Aus Sicht des ND trifft Marx damit exakt den Punkt.

Offensichtlich will Marx mit seinem Amtsverzicht einen Neuanfang möglich machen. Mit seinem Schritt setzt er andere Bischöfe und wohl nicht zuletzt auch Kardinal Woelki unter Zugzwang. Die Reaktion im Erzbistum Köln indes kam prompt. Kardinal Woelki denke nicht an einen Amtsverzicht.

War es das? Wie kann es nun weitergehen?

Der Vertrauensverlust der Kirche in Deutschland ist massiv. Wie kann der „tote Punkt“ zum Wendepunkt auf dem Weg der dringend nötigen Erneuerung werden, die insbesondere auch strukturelle und personelle Veränderungen einschließt? Wie können wir als Kirche in Deutschland Vertrauen wieder gewinnen?

Als ND haben wir großen Respekt vor der souveränen Entscheidung von Kardinal Marx, mit der er für persönliche Unzulänglichkeiten und organisatorische Mängel Verantwortung übernimmt und damit nochmals in aller Deutlichkeit auf die Missstände in unserer katholischen Kirche hinweist.

Darüber hinaus hat Kardinal Marx aus unserer Sicht absolut Recht, wenn er festhält: „Beides muss im Blick bleiben: persönlich zu verantwortende Fehler und das institutionelle Versagen, das zu Veränderungen und zur Reform der Kirche herausfordert. Ein Wendepunkt aus dieser Krise kann aus meiner Sicht nur ein „synodaler Weg“ sein.“

Der ND-Rat hat in seinem Beschluss „Kirche im Nebel“ im Frühjahr festgestellt, dass systemische Reformen zur echten Erneuerung der Kirche immer notwendiger und unabweisbarer werden. Das Schreiben von Kardinal Marx bestärkt uns, uns weiter aktiv beim Synodalen Weg zu engagieren und uns für nötige Reformen einzusetzen. Wir setzen uns aktiv für mehr Transparenz in kirchlichen Strukturen ein, für eine zügige vollumfängliche Aufklärung der Missbrauchsfälle, eine Aufarbeitung aus Sicht der Betroffenen und Konsequenzen für Verantwortliche und in den Strukturen. Nur so kann Ausgleich und Reform gelingen.

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